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Ständige Erreichbarkeit: Warum sie Teams belastet und was Arbeitgeber dagegen tun können

Zwischen Flexibilität und Dauerpräsenz: Wie Organisationen eine gesunde digitale Arbeitskultur schaffen 


Viele Organisationen kennen die Situation: Eine E-Mail wird am Abend verschickt, eine Teams-Nachricht erscheint am Wochenende oder eine kurze Rückfrage landet noch kurz vor Feierabend auf dem Smartphone. Oft steckt keine böse Absicht dahinter. Trotzdem entsteht bei vielen Mitarbeitenden das Gefühl, jederzeit erreichbar sein zu müssen. 

Die technischen Möglichkeiten haben unsere Zusammenarbeit einfacher gemacht. Gleichzeitig haben sie die Grenzen zwischen Arbeitszeit und Freizeit verschwimmen lassen. Gerade in KMUs und sozialen Organisationen, wo Teams eng zusammenarbeiten und Verantwortung oft auf wenigen Schultern verteilt ist, kann das zur Belastung werden. 

Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht, ob digitale Kommunikation gut oder schlecht ist. Entscheidend ist, wie bewusst wir sie einsetzen. 

Person am Telefon

Ständige Erreichbarkeit beginnt selten mit einer Vorschrift 

Nur wenige Unternehmen verlangen ausdrücklich, dass Mitarbeitende jederzeit erreichbar sein müssen. Viel häufiger entstehen solche Erwartungen schleichend. 

Vielleicht antwortet die Geschäftsleitung regelmässig spätabends auf E-Mails. Vielleicht werden Teams-Nachrichten auch ausserhalb der Arbeitszeit beantwortet. Oder einzelne Mitarbeitende möchten besonders engagiert wirken und reagieren sofort auf jede Anfrage. 

Mit der Zeit wird daraus eine unausgesprochene Norm. Andere orientieren sich daran und möchten nicht den Eindruck hinterlassen, weniger engagiert zu sein. 

Das Problem liegt dabei nicht in einzelnen Nachrichten. Es entsteht durch die Summe vieler kleiner Unterbrechungen und Erwartungen. 


Permanente Unterbrechungen kosten mehr als Zeit 

Jede Benachrichtigung fordert unsere Aufmerksamkeit. Selbst wenn wir sie ignorieren, unterbricht sie oft den Gedankengang. 

Viele Aufgaben benötigen jedoch Konzentration. Wer Angebote erstellt, Dokumentationen schreibt, sensible Personendaten bearbeitet oder technische Probleme löst, braucht Zeit ohne ständige Ablenkung. 

Wenn Mitarbeitende regelmässig aus ihrer Arbeit gerissen werden, verlängern sich nicht nur Arbeitsabläufe. Auch die Fehleranfälligkeit steigt und die geistige Ermüdung nimmt zu. 

In der Praxis zeigt sich deshalb oft: Nicht die eigentliche Arbeitsmenge verursacht den grössten Stress, sondern die Vielzahl kleiner Unterbrechungen über den ganzen Tag. 


Besonders Lernende brauchen klare Orientierung 

Für Lernende ist die digitale Arbeitswelt selbstverständlich. Das bedeutet aber nicht automatisch, dass sie einen gesunden Umgang mit ihr entwickeln. 

Wenn ständig neue Nachrichten eintreffen, fällt es schwer, Prioritäten zu setzen oder konzentriert an einer Aufgabe zu arbeiten. Gleichzeitig orientieren sich Lernende stark am Verhalten ihrer Berufsbildnerinnen, Berufsbildner und Kolleginnen und Kollegen. 

Wer erlebt, dass jede Nachricht sofort beantwortet wird, übernimmt dieses Verhalten häufig unbewusst. 

Deshalb gehört es zur Ausbildung, nicht nur technische Werkzeuge zu erklären, sondern auch einen verantwortungsvollen Umgang mit ihnen vorzuleben. Dazu gehört ebenso die Erkenntnis, dass nicht jede Nachricht sofort beantwortet werden muss. 

Jemand schreibt

Digitale Werkzeuge sind nicht das Problem 

Microsoft Teams, Outlook oder Smartphones sind wertvolle Hilfsmittel. Sie ermöglichen Zusammenarbeit über verschiedene Standorte hinweg und erleichtern den Austausch erheblich. 

Schwierigkeiten entstehen meist nicht durch die Werkzeuge selbst, sondern durch fehlende gemeinsame Regeln. 

Beispiele dafür sind: 

Wann eignet sich eine E-Mail und wann eine Teams-Nachricht? 

Welche Anliegen sind wirklich dringend? 

Müssen Benachrichtigungen jederzeit aktiviert sein? 

Welche Antwortzeiten dürfen Mitarbeitende erwarten? 

Solche Fragen wirken auf den ersten Blick nebensächlich. Tatsächlich schaffen sie Klarheit und reduzieren Missverständnisse im Alltag. 


Was Arbeitgeber konkret tun können 

Eine gesunde digitale Arbeitskultur entsteht nicht durch Verbote. Sie entwickelt sich durch klare Erwartungen und ein gemeinsames Verständnis. 

Hilfreich sind unter anderem: 

  • realistische Reaktionszeiten definieren 
  • Kommunikationskanäle bewusst einsetzen 
  • Benachrichtigungen regelmässig überprüfen 
  • konzentrierte Arbeitszeiten ohne Unterbrechungen ermöglichen 
  • Führungskräfte als Vorbilder einbeziehen 
  • Lernende aktiv beim Aufbau guter Arbeitsgewohnheiten begleiten 

Nicht jede Organisation braucht dafür umfangreiche Richtlinien. Oft reichen wenige klar kommunizierte Grundsätze, die von allen mitgetragen werden. 


Gute IT unterstützt auch die Zusammenarbeit 

Bei digitaler Zusammenarbeit denken viele zuerst an Software oder technische Infrastruktur. Doch gute IT umfasst mehr als funktionierende Systeme. 

Sie schafft Rahmenbedingungen, in denen Menschen konzentriert arbeiten können. Sie unterstützt klare Kommunikation und hilft Teams, Prioritäten sinnvoll zu setzen. 

Deshalb gehören Fragen zur Erreichbarkeit ebenso zur digitalen Arbeitskultur wie sichere Passwörter oder zuverlässige Backups. 


Fazit 

Digitale Erreichbarkeit ist heute Teil des Arbeitsalltags. Sie bringt viele Vorteile, kann aber auch zu unnötigem Druck führen, wenn Erwartungen unklar bleiben. 

Organisationen müssen deshalb nicht jede Nachricht reglementieren. Viel wichtiger ist es, gemeinsam festzulegen, wie Zusammenarbeit funktionieren soll. Klare Kommunikation, realistische Erwartungen und eine bewusste Nutzung digitaler Werkzeuge entlasten Teams langfristig. 

Gute IT endet nicht bei der Technik. Sie beginnt dort, wo Menschen ihre Arbeit konzentriert, sicher und mit einem guten Gefühl erledigen können. 


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